Gemeinsam
Lösungen finden

Mediation am Bau

Bei einem Bauvorhaben arbeiten alle zusammen. Kommt es jedoch zum Konflikt, drohen langjährige und teure Gerichtsverfahren, bei denen ein Dritter die Entscheidung für die Konfliktparteien trifft.

Mediation am Bau bietet hingegen selbstbestimmte, lösungsorientierte, wertschöpfende und deutlich günstigere Konfliktbewältigung durch die Streitparteien selbst.

Rechtsanwältin Georgia von der Wettern

Gerichtsverfahren vs. Mediation im Baurecht

Bauprozesse sind in der Regel sehr teuer und langwierig. Das Gericht kann Fragen zu Mängeln oder zu vom Vertrag bzw. den Regeln der Technik abweichender Bauausführung meist nicht ohne Sachverständigengutachten beantworten. Deswegen geht einem Prozess oft zusätzlich ein selbständiges Beweisverfahren voraus.

Kosten und Dauer von Gerichtsverfahren können gerade für kleinere und mittlere Bauunternehmen existenzgefährdend oder sogar vernichtend sein.

Ein Bauprozess dauert in der Regel schon in der ersten Instanz 44 Monate (also über dreineinhalb Jahre!) – und damit ca. 3,5-mal so lange wie ein „gewöhnlicher“ Zivilprozess.

Das Kostenrisiko eines Bauprozesses ohne Sachverständigen (!) steigt dabei mit dem Streitwert schnell an:

  • Streitwert von 10.000 Euro = 2.000-5.000 Euro Kostenrisiko
  • Streitwert von 100.000 Euro = 7.000-15.000 Euro Kostenrisiko
  • Streitwert von 500.000 Euro = 18.000-33.000 Euro Kostenrisiko

Der Bauausführung wird dabei weder in qualitativer noch zeitlicher Hinsicht gedient. Denn der konstruktive Prozess der gemeinsamen Zielfindung am Bau wird abgelöst durch Streit und die Sicherung der eigenen Positionen. Die Komplexität des Bauens wird ersetzt durch die Komplexität des Gerichtsverfahrens. Anwälte, Richter und Sachverständige übernehmen die Verantwortung.

Anstatt gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen, wird einem Dritten die Entscheidung überlassen. Einem Dritten, der nicht aus eigener Sachkunde, sondern nur mit Hilfe von Sachverständigen eine Entscheidung treffen kann. Es ist keine Überraschung, dass hier meist nicht die beste Lösung für alle Beteiligten, sondern ein fauler Kompromiss herauskommt.

Mediation ist gerade für Konfliktparteien aus einem Bauvertrag das natürlichere Streitbeilegungs- bzw. Konfliktbewältigungsverfahren. Denn Mediation entspricht dem Selbstverständnis der Baubranche: gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, handlungsfähig zu bleiben, aktiv zu sein.

Die Konfliktparteien werden durch den Mediator unterstützt, bestimmen aber den Prozess selbst und behalten die volle Entscheidungsgewalt. Der zur Allparteilichkeit verpflichtete Mediator sorgt lediglich für die Beachtung der Verfahrensstruktur und eine konstruktive Kommunikation.

Somit verbleibt auch die Kontrolle über Dauer und Kosten bei den Konfliktparteien.

Ein Mediationsverfahren benötigt i. d. R. vier bis sechs Sitzungen. Eine Sitzung dauert anderthalb bis drei Stunden.

Üblich ist eine Vergütung des Mediators auf Stundenbasis bei einem Stundensatz von 150 bis 350 Euro. Hier wird die Wirtschaftlichkeit des Mediationsverfahrens gegenüber einem Gerichtsverfahren deutlich.

Der wohl wichtigste Unterschied zu einem Gerichtsverfahren ist jedoch: Bei einer Mediation am Bau gibt es keine faulen Kompromisse. Denn eine Lösung ist nur dann eine Lösung, wenn alle Konfliktparteien damit zufrieden sind!

Grundsätzlich gelten folgende Prinzipien:

  • Freiwilligkeit
  • Eigenverantwortlichkeit
  • Informiertheit bzw. Transparenz, d. h. alle für den Konflikt relevanten Informationen kommen auf den Tisch
  • Ergebnisoffenheit
  • Vertraulichkeit

Vorteile von Mediation am Bau

Gemeinsam
entscheiden

Im Mediationsverfahren geht es um gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Entscheidungen. Das ist auch wirtschaftlich meist besser.

Lösungen
selbst bestimmen

Mediation ist ein selbstbestimmtes Konfliktbewältigungsverfahren. Lösungen, die Wertschöpfung für alle Beteiligten bedeuten, stehen im Mittelpunkt.

Verbindlichkeit
schaffen

Am Ende einer Mediation kann eine rechtlich verbindliche Vereinbarung stehen. Durch Zustimmung aller ist die Umsetzung sehr wahrscheinlich.

Reputation
bewahren

Ein Mediationsverfahren ist streng vertraulich und nicht öffentlich. So werden Reputationsverluste vermieden und zukünftige Zusammenarbeit bleibt möglich.

Mediation überzeugt durch zahlreiche Vorteile. Ein Baurechts-Anwalt ist durch seine juristischen Kenntnisse der ideale Mediator!

Wie läuft ein Mediationsverfahren ab?

Ein Mediationsverfahren ist ein durch den allparteilichen Mediator strukturierter Prozess. Er richtet sind nach den hier beschriebenen Schritten, in denen die Medianten, also die Konfliktparteien, sich gemeinsam einer Lösung nähern.

Verfahren und Prinzipien

In der ersten Sitzung werden zunächst der Ablauf des Verfahrens und die Prinzipien erläutert. Die Freiwilligkeit und Geeignetheit im Hinblick auf die Interessen und Ziele der Parteien werden geklärt. Am Ende steht der Abschluss eines Mediationsvertrages.

Themen- und Informationssammlung

Hier wird geklärt, was die Parteien jeweils besprechen wollen, worum es ihnen genau geht, welche Themen sie klären wollen und welche Informationen die Parteien benötigen, um die anstehenden Themen gut bearbeiten zu können.

Interessensklärung

Bei der Interessenklärung wird herausgearbeitet, was den Parteien jeweils wichtig ist und wo genau ihre jeweiligen Interessen liegen. Hier ist es die Aufgabe des Mediators einen Kommunikationsprozess zu initiieren und dafür zu sorgen, dass es den Parteien möglich wird, ihre (festgefahrene) Positionen zu verlassen und herauszufinden, was ihnen wirklich wichtig ist.

Kreative Ideensuche

In dieser Phase wird ohne Bewertung (!) alles gesammelt was im Hinblick auf eine Lösung denkbar ist.

Auswahl

Schließlich geht es um Auswahl und Bewertung der Optionen. Hier steht die Frage im Mittelpunkt: Was ist machbar?

Vereinbarung

Am Ende des Mediationsverfahrens stehen die einvernehmliche Vereinbarung und Umsetzung.

Praxisbeispiele von Mediationsverfahren am Bau

Mediation zwischen Bauherr und Handwerker

Bei dem Konflikt ging es um die Verlegung eines Parkettbodens im Rahmen eines Dachgeschossausbaus. Der Bauherr hatte Werklohn zurückgehalten, der nach Ansicht des Handwerkers zur Auszahlung fällig war.

Der Konflikt war dadurch entstanden, dass sich aus Sicht des Bauherrn durch die Nichteinhaltung von Terminen die Fertigstellung erheblich verzögert hatte und ihm dadurch ein Schaden entstanden war. Der Handwerker bestand seinerseits darauf, dass die Termine nicht verbindlich vereinbart waren und daher die aus der Nichteinhaltung keine Rechte abgeleitet werden könnten.

Die Mediation dauerte 4 Stunden. Es wurde eine für beide Seiten befriedigende Lösung gefunden. Für den Bauherrn war hierbei besonders wichtig, dass seine Sorge um die verspätete Fertigstellung und die möglichen Schäden ernst genommen und nicht mit dem Argument angeblich fehlender Form vom Tisch gewischt wurde.

Mediation zwischen Bauherr und Handwerker

Die Elektroinstallation für einen denkmalgeschützten Museumsbau führte zum Konflikt. Hierbei ging es um Schadenersatzansprüche wegen Bauzeitverzögerung.

Der Bauherr hatte mit öffentlichen Geldern gebaut, weswegen er für die Abrechnung gerade die Mehrkosten und ihre Erforderlichkeit im Einzelnen nachweisen musste.

Im Zentrum des Konfliktes stand der Austausch von Reflektoren und dadurch entstandene Mehrkosten von 8.000 Euro. Im Zuge des Drucks der Eröffnung des Museums war die Entscheidung spontan gefallen. Es hatte sich herausgestellt, dass die Lampen so eingeputzt waren, dass sich ein ungünstiger Schattenwurf ergab.

Über die Materialkosten hinaus waren erhebliche Mehrkosten für Lohnarbeiten entstanden, die nicht auf die Stunde dokumentiert waren.

Die Mediation dauerte 3,5 Stunden. Nachdem die Parteien in der Lage waren, die jeweiligen Notwendigkeiten der anderen Seite zu verstehen, fanden sie sehr schnell zu einer Lösung.

Mit Mediation sparen Sie Geld und vor allem viel Zeit. Lassen Sie sich jetzt auf dem Weg zu einer gemeinsamen Lösung begleiten!